Das Posthaus in Großsander
Die Errichtung der Poststrecke durch Großsander 1776
Es war bereits bekannt, dass ein Weg durch das Moor von Großsander nach
Moorburg führte. 1587 starb ein Wanderer auf diesem Weg. Man fand später nur das
Skelett, da der Weg selten benutzt wurde. Ein Herr von Hüften gab 1670 die Anregung, den
Heerweg zu erweitern und ihn als Verbindungsstrecke für den Postwagen von Amsterdam nach
Bremen zu benutzen. Es blieb aber nur bei dem Plan. So mußte die Post weiterhin über
Stickhausen und Apen transportiert werden. Dieser Weg war aber in einem sehr schlechten
Zustand.
Heinrich Schweers war Kaufmann, Fuhrunternehmer, Bürgermeister und Postmeister
in einem und kam aus Leer. Er war geschäftstüchtig und setzte viele Pläne in die Tat
um. Er richtete z.B. eine Poststrecke zwischen Aurich und Leer auf eigene Kosten ein. 1744
verwirklichte er den Plan von von Hüften und legte für die Strecke Bremen
Oldenburg Leer einen Weg von 3 km durch den Morast von Großsander nach Moorburg.
Das Wegegeld kassierte ebenfalls Schweers. Für den Bau des Stationsgebäudes in
Großsander kaufte er ein Grundstück.
Auf dem Bohlenweg, der durch das Moor führte, war schwer zu verkehren. Er galt
jedoch als ein Riesenschritt nach vorn in der Geschicht der Post.
Die Strecke der Postkutsche
Die Postkutsche kam von Amsterdam, fuhr über Leer, Hesel nach Großsander und
weiter bis nach Bremen. Die Entfernungen waren enorm für Mensch und Tier. Die Pferde
wurden öfter gewechselt, die Fahrer blieben oft die ganze Fahrt dabei.

Schon vor der Ankunft gab der Bläser Signale. Durch festgelegte Blasarten
kündigte er dem Stationsvorsteher an, ob sie frische Pferde brauchten und ob sie eine
Beichaise (Beiwagen) mitführten oder nicht.
Die Postillione trugen rote Röcke mit gelben Aufschlägen. Die Jacken waren
gelb gefüttert. Das Posthorn war ihnen mit einer rotgelben Schnur um den Hals gehängt.
Auf einem Brustschild stand geschrieben "Fürstlich-Ostfriesische fahrende
Post". Als Lohn für ihre Dienste erhielten die Postillione 50 Taler und 22 Taler
extra für die Stiefel. Vertriebsgebühren wurden damals nicht berechnet. Postsachen
musste der Empfänger bezahlen. Der Einheitstarif kam erst 1868.
Der Postwagen wurde normalerweise von zwei Leuten gefahren: dem Fahrer und dem
Bläser. Geld und Post, das mitgeführt wurde, schloss der Stationsmeister in einem Kasten
ein, der sich unter dem Fahrerbock befand, und erst der Stationsmeister der nächsten
Station konnte den Kasten wieder öffnen.
Großsander war die letzte Station vor dem Moor. Bei Fidi Hemken befand sich
der Schlagbaum. Die "Komisen" kontrollierten die Wagen. Jedes kleinste Stück,
das nicht zur Ausrüstung gehörte, wurde beschlagnahmt. Dann ging es in das gefürchtete
Moor. Der Bohlenweg war schmal und das Moor bot gute Hinterhalte. Nicht selten kam es vor,
dass die Postkutschen ausgeraubt wurden. Da nur die Postmeister wussten, wann und wieviel
Geld mitgeführt wurde, nahm man an, dass sie an den Überfällen beteiligt waren. Es
ließ sich aber nicht nachweisen.
Für die Reisenden in den Postkutschen, die am Anfang offen und erst später
geschlossen waren, war die Reise alles andere als angenehm. Diejenigen, die es eilig
hatten, bekamen eine solche Fahrt in keinem Fall. Oft musste wegen der schwachen Pferde
angehalten werden.
Der Schirrmeister kümmerte sich um die Beschleunigung der Fahrt und das
Gepäck. Er kam aber keineswegs immer seinen Verpflichtungen nach. Ein Reisender:
"Der Schirrmeister aber erfüllte keine seiner Pflichten; er war ein Säufer und
Händelstifter; immer der erste beim Stillhalten und der leztzte, der vom Weiterfahren
sprach." Die Reisenden mußten oft Schmiergelder zahlen, um rechtzeitig anzukommen
oder überhaupt die Fahrt fortzusetzen.
Ankunft und Aufenthalt in der Poststation


Endlich kamen die müden Reisenden in der Poststation Großsander an. In dem
vorderen Teil des Gebäudes befand sich eine Kochstelle. Hier konnten sich die Reisenden
und Fahrer aufwärmen und stärken. Im hinteren Raum befanden sich Stallungen für 20
Pferde. Für Übernachtungen war kein Platz und auch keine Zeit vorhanden.
Um 1850 war Diedrich Ennen der Poststellenleiter. Er war ein Riese von Mann.
Man erzählte sich, dass ein haufen Seeleute, die mit der Post von Bremen nach Emden
fuhren, auch in der Poststation einkehrten. Diese Seeleute machten einen großen Lärm,
aber nur das Erscheinen von Diedrich Ennen ließ diese harten Seebären schweigen. Wär
das nicht geschehen, hätte Ennen sie alle an die frische Luft gesetzt.
Großsander war nicht nur Relais für die Pferde, sondern hatte eine
Gastwirtschaft und eine eigene Postabfertigung. Eine Originalbriefmarke ist noch vorhanden
und befindet sich in Privatbesitz.
Zeichnung einer in Großsander freigestempelten Briefmarke
Die Auflösung
Großsander war die letzte ostfiesische Station der Wegeverbindung Leer
Oldenburg Bremen. Mit der Eröffnung der neuen Bahnlinie Oldenburg Leer im
Jahre 1865 hörten die Postfahren auf. Einige Zeit verkehrte nur noch die Kutsche nach
Stickhausen. Dann wurde die Relaisstation nur noch als Schuppen von dem nebenliegenden Hof
Franzen benutzt.

Zeitweise diente das Gebäude auch Obdachlosen als Wohnhaus. Die Station wurde
vernachlässigt und wurde morsch. Erst als das Gebäude kurz vor dem endgültigen Zerfall
war, wurde seitens der Bürger etwas getan.
Der Wiederaufbau der alten Relaisstation
Der Gemeinderat von Großsander ließ ein Rundschreiben an alle Haushaltungen
austeilen. In dem Schreiben wurde zu Spenden aufgerufen. Es kamen stolze 5.364,-- DM
zusammen. Von diesem Geld sollte die alte Poststation neu hergerichtet werden.
Der Heimatverein in Aurich und der Bürgermeister Walter Tammen begannen 1965
mit dem planmäßigen Wiederaufbau des Posthauses. Das Kreisbauamt in Leer zeichnete die
Baupläne. Zunächst begann man die neue Baustelle herzurichten. Zahlreiche Fuhren Sand
mussten angefahren werden. Bäume wurden in Godensholt gefällt und nach Remels in die
Sägerei gebracht.
Das alte und eingefallene Posthaus, das 100 m nördlich vom dem neuen Standort
stand, wurde abgerissen. Die neuen Fundamente mussten gegraben werden und der Grundbau
wurde errichtet.
Erst stand nur das Holzgestell. Das Fachwerk wurde ausgemauert und verputzt.
Das ganze Gebäude erhielt ein Reetdach. Innen und außen pflasterten die Bürger von
Großsander alles aus und das Grundstück angepflanzt. In dem Gebäude und außen stellte
man Bänke zum Verweilen auf. Alle Gemeindemitglieder waren dabei, um ihr neues Ehrenmal
zu errichten. Unter dem Strich kamen heraus: 4719 Arbeitstunden (freiwillige und
unentgeltliche!), 906 Traktorstunden und die 5365 DM Spenden. Mit viel Fleiß und Mühe
wurde das Ehrenmal zum Volkstrauertag 1967, dem Tag der Einweihung, fertig.

Die heutige Verwendung der Poststation
Wie in vielen Dörfern gibt es auch in Großsander eine Gedenkstätte für die
Kriegsopfer. Dieses Denkmal ist das neue Posthaus. Auf zwei Denkmälern innerhalb des
Gebäudes sind die Kriegsopfer des ersten und zweiten Weltkrieges aufgeführt. Am
Volkstrauertag werden Kränze niedergelegt und der Pastor hält eine Predigt zu Ehren der
Verstorbenen.
An der linken Wand ist eine Vitrine aufgehängt, in dem die Geschichte des
Posthauses kurz aufgeführt ist. Jeder Besucher kann das Posthaus betreten, um sich die
Geschichte der Relaisstation zu vergegenwärtigen. Die Gartenanlagen werden gepflegt und
sauber gehalten. Das schöne Fachwerkgebäude ist auch Blickfang für Reisende und lädt,
wie früher die Relaisstation, zum Verweilen oder zu einer Rast ein.
Zeitungsartikel in der Ostfriesen-Zeitung zur Einweihung (1967)
Grundriss von Burg und Posthaus