Großsander,
eine wichtige Grenzstation
Das Lengener Land wurde erstmals 1398 in einer Urkunde erwähnt. Zu der Zeit
bestand Ostfriesland noch aus 12 Völkerschaften, unter anderem die Kyffhäuser, die
Borsumer, die Stickhausener und die Lengener. Das Gebiet der Lengener befand sich im
östlichen Teil des Stickhausener Amtes.
Zwischen den 12 Völkerschaften Ostfrieslands kam es oft zu
Auseinandersetzungen. Um den ewigen Streitereien ein Ende zu setzen, schlossen sich die
Häuptlinge unter Edzard Cirksena zusammen und bekämpften nun gemeinsam die von Osten
einfallenden Oldenburger.
In Großsander stand eine Burg, die der Ausgangspunkt aller Streifzüge der
Ostfriesen war.
Der Stammbaum der Häuptlinge
Focko Ukena, der Häuptling von Leer, hatte zu den Lengenern ein gutes
Verhältnis. Die Bewohner mochten ihn. So waren sie auch bei dem Kampf Focko Ukenas gegen
Ocko tom Broks 1426 voll im Einsatz und besiegten Ocko bei Detern.
Die freundschaftlichen Beziehungen fanden jäh ein Ende, als Focko sich
weigerte, dem Bund der Freiheit, der Vereinigung der Ostfriesischen Häuptlinge,
beizutreten. Er wurde von Edzard Cirksena besiegt und seine Burg in Leer wurde zerstört.
Focko verließ das Land und als er nach einigen Jahren zurückkehrte, wurde er von den
Lengenern, Mooremeerländern und Overledigerländern wieder voll anerkannt. Focko bekam
Lengen als Erbgut von seiner Mutter Amke, die vermutlich eine Lengener Häuptlingstochter
war. Sie heiratete Uko Ukena, den Häuptling von Neermoor. Ihr Sohn Focko Ukena wurde 1370
geboren und starb 1435.
Fockos Sohn Uko Ukena wurde später der Häuptling von Oldersum. Uko heiratete
Hebe von Dornum. Gemeinsam hatten sie die Tochter Theda, die 1494 starb. Sie spielte eine
bedeutende Rolle in der Geschichte der Burg von Großsander.
Theda heiratete Ulrich Cirksena I, der jedoch schon 1466 starb. Die zweite Ehe
ging Theda mit Vieto Frese ein, der in der Geschichte von Großsander keine große Rolle
spielte.
Die Blütezeit der Burg
Mit dem Zusammenschluß der Häuptlinge fanden die Fehden innerhalb
Ostfrieslands ein Ende. Das Lengener Land befand sich nun unter der Cirksenaschen Obhut
von einem Drosten oder Amtmann verwaltet. 1535 wurde es dem Amt Stickhausen angeschlossen.
Die Lengener waren in einem andauernden Streit mit den östlichen Nachbarn, den
Oldenburgern, die immer wieder in ihr Land einfielen. Zum Zweck der Verteidigung ließ
Graf Edzard Cirksena 1432 die Burg in Großsander stark befestigen. Sie war der Wohnsitz
einer Lengener Häuptlingsfamilie.
Die Streitigkeiten mit den Oldenburgern verstärkten sich gewaltig, als 1473
Graf Gerhard von Oldenburg mit der Gräfin Theda von Ostfriesland, die Gemahlin Ulrich I,
in Fehde lag. Sie ließ um 1482 die Burg nochmals verstärken und legte einen Wall mit
einem Außengraben um die Burg. Der Graben war 10-18 Fuß breit und umgab das ganze Dorf.
Die Burg "Up Lengen" war der Ausgangspunkt der Streifzüge in das Oldenburger
Land. Zwischen "Groot Sande" und Moorburg befand sich nur ein schmaler Weg durch
das wilde Moor.
Sieweke von Heisfelde, der um 1473 Drost der Burg war, und Hayo von Stickhausen
machten den Oldenburgern die Hölle heiß. Auf einem ihrer Streifzüge machten die
Ostfriesen große Beute. Sie nahmen den Sohn von Graf Gerhard gefangen. Erst nach 7 Jahren
Haft in Berum wurde dieser wieder freigelassen. Bei einem Streifzug fiel Sieweke im
Bokeler Holz in der Nähe von Apen ein.
In der Sächsischen Fehde von 1514 hielt die Burg trotz tapferer Gegenwehr
nicht stand . Die Scharen "Heinrich des Quaden" von Oldenburg und Hero Omken
besetzten die Burg. Diese Besetzung dauerte aber nicht lange an. Schon im darauffolgenden
Jahr 1515 eroberte Graf Edzard der Große den festen Stützpunkt zurück.
Das Ende der Burg "Up Lengen"
Die Streitigkeiten wurden beendet, als Enno II sich mit Anna, der Gräfin von
Oldenburg, vermählte. Die Festung von Lengen verlor ihre Bedeutung. 1535 wurde sie
geschleift: Die Steine beförderte man nach Stickhausen zum Bau eine Zwingers. Ende des
18. Jahrhunderts wurden der Wall und der Graben eingeebnet.
Der Burgwall wurde nicht ganz abgetragen. Vom östlichen Teil blieb ein Stück
stehen. Dieser Rest ist noch heute sichtbar und ca. 5 m hoch, ca. 15 m brei und 40 m lang.
Beim Abtragen und Einebnen des Walles und des Grabens fand man Steine, Schmuckstücke,
Krüge und einige Kugeln mit einem Durchmesser von 5 Zoll. Bei den späteren
Aufräumarbeiten wurden einige Massengräber gefunden, die auf zahlreiche Kämpfe
schließen ließen.
Am nördlichen Ende des Walles stand ein Wirts- und Zollhaus, die eigentliche
Burgstelle wurde als Kohlgarten genutzt. Man stellte später fest, dass die Burg von
Großsander durch einen Laufgraben mit der Burg von Spols in Verbindung stand. Ein
weiterer Laufgraben erstreckte sich von Klein-Sander durch das Moor nach Stapel. Der
Wassergraben, der die Burg schützte und in dem sich zahlreiche Fische befanden, ist bis
zur heutigen Zeit nachweisbar. Bei einem Hausbau am Rande des ursprünglichen Grabens
konnten die Bauarbeiter keinen festen Boden finden. Als 4 bis 5 Meter tief gegraben wurde,
zeichnete sich der Burggraben ab. Die Ränder des Grabens waren mit Grassoden und Rüschen
bewachsen, woran man die Formen des Grabens erkennen konnte.
Bis vor einigen Jahrzehnten ließ es sich noch in den Tunnel des restlichen
Schutzwalles hineinkriechen. Dieser Gang ist jetzt verschüttet. Heute ist die Stelle in
Vergessenheit geraten.
Eingefallener Eingang des Burgwalles:


